Einsatzbericht Nikkor AF DX 10,5mm/2,8 - die Linse für den großen Überblick
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Sie suchen das Objektiv für den ganz großen Überblick? Dann sind Sie hier richtig, denn das Nikkor AF DX 10,5mm/2,8 erfasst ein so weites Blickfeld, dass man aufpassen muss, nicht versehentlich noch mit auf das eigene Foto zu geraten. Aber der Reihe nach…
Was ist eigentlich ein Fisheye-Objektiv?
Einmal so sehen können wie ein Fisch – genau das war das Entwicklungsziel bei Fisheye-Objektiven. Das entscheidende Merkmal dieser Optiken ist ein Bildwinkel von ca. 180 Grad.
Zwei Sorten von Fisheye-Objektiven gibt es heute: solche, die ihr gesamtes Bildfeld auf einer kreisförmigen Fläche abbilden und solche, die die rechteckige Bildfläche eines üblichen Bildformats ausfüllen, wobei sie in der Diagonale einen Bildwinkel von 180 Grad besitzen. Sie ahnen es schon – das Nikkor AF DX 10,5mm/2,8 gehört zum letzteren Typ.
Wozu braucht man sowas?
Was zunächst einmal als Spezialoptik für die Wetterbeobachtung entwickelt wurde, fand in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts als optischer Spezialeffekt Eingang in die kreative Fotografie. In der Wissenschafts- oder Reportagefotografie verwendet man dieses Objektiv auch gerne, wenn man Bilder aus besonders engen Räumen braucht. Mit Aufkommen der Digital-Fotografie und der elektronischen Bildverarbeitung fanden Fisheye-Objektive noch eine weitere, wichtige Anwendung: die Panorama-Fotografie.
In der Panoramafotografie montiert man Kamera und Optik auf einen speziellen Stativkopf und nimmt in verschiedenen Winkelpositionen eine Reihe von Bildern auf, die man später per Software zu einem Panorama zusammensetzt. Der Clou bei dieser Technik: Die Software zum Zusammensetzen von Bildern – die Stitching-Software – berücksichtigt den Bildwinkel und die spezifischen Verzeichnungen des Objektives und kann diese so korrigieren, dass sie die korrigierten Bilder anschließend nahtlos aneinander ansetzen kann, sodass die Übergänge zwischen den Teilbildern nicht mehr erkennbar sind.
Wie schlägt sich das Nikkor AF DX 10,5mm/2,8 in der Praxis?
Wer mit diesem Spezialobjektiv auch in der normalen Fotografie seinen Spaß haben will, muss wissen, wie diese Optik das Bild auf den Sensor der DSLR-Kamera projiziert.
Normale Weitwinkel-Objektive arbeiten mit einer rektilinearen Projektion, bei der gerade Linien des abzubildenden Objekts auch im Bild als gerade Linien aufgezeichnet werden. Aus technischen Gründen können Objektive nur bis zu einem Bildwinkel von ca. 120 Grad mit rektilinearer Projektion arbeiten.
Fisheye-Objektive dagegen arbeiten mit einer winkel- oder flächentreuen Projektion und bilden nur solche Linien als Gerade ab, die direkt durch die Bildmitte verlaufen. Je weiter entfernt eine Linie von der Bildmitte ist, umso stärker wird sie verbogen.
Dieses Bild einer gläsernen Aufzugskabine zeigt die typischen, tonnenförmigen Verzeichnungen des Fisheye-Objektivs. Hätte der Fotograf bei der Aufnahme die optische Achse nicht per Wasserwaage genau horizontal ausgerichtet, so wären zusätzlich noch sehr dramatische perspektivische Verzerrungen (“Stürzende Linien” dazugekommen).
Bei Porträts sollte man mit dem Fisheye-Objektiv größte Vorsicht walten lassen, sonst geraten sie leicht zur Karikatur. Stark übersteigerte Perspektive kann die Proportionen eines Gesichts leicht ins Groteske verändern. Bei dieser Aufnahme war die Frontlinse des Objektivs nur ca. 20 Zentimeter vom Notebook-Rechner entfernt!
- Wichtige gerade Linien müssen immer genau in der Bildmitte liegen (nur dann bleiben sie gerade).
- Die horizontale Ausrichtung der Kamera ist während der Aufnahme von entscheidender Bedeutung, denn nur so lassen sich dramatisch übersteigerte stürzende Linien vermeiden. Der Einsatz einer kleinen Wasserwaage im Blitzschuh der Kamera kann hier Wunder wirken!
- Bei passender Motivauswahl lässt sich eine Irritation des Betrachters vermeiden: Enthält das Bild außerhalb der Bildmitte schon im Originalmotiv keine gerade Linien, so wird sich der Betrachter des Bildes durch die tonnenförmigen Verzeichnungen des Objektivs nicht irritieren lassen.
Durch die konsequente Wahl einer Zentralperspektive wirkt dieses Bild einer eisernen Brücke nicht übermäßig verzerrt, obwohl sie in Wirklichkeit natürlich stark verzeichnet ist. Der Trick: Der Horizont ist gerade, weil er genau durch die Bildmitte läuft, und andere dominante, gerade Linien sind nicht im Bild vorhanden.
Eine Annäherung an das wirkliche Aussehen der originalen Szenerie lässt sich erzielen, indem man die Projektions-Verzerrungen des Objektivs per Software kompensiert.
Entzerrte Version des vorigen Bildes. Man beachte, wie das Bild mit zunehmendem Abstand von der Bildmitte gegenüber dem Original entzerrt wurde. Diese Art der “Verzerrung” kommt Ihnen vielleicht bekannt vor: So ähnlich bilden auch Superweitwinkel-Objektive ab.
Dieses Bild wurde mit Hilfe der speziell für dieses Fisheye-Objektiv konzipierten “De-Fishing”-Funktion der Bildbearbeitungs-Software Nikon Capture entzerrt. Ähnliche “De-Fishing”-Funktionen gibt es auch als Photoshop-Plugins für andere Objektive. Stitching-Programme zur Erstellung von Panoramen arbeiten ganz ähnlich. Wegen der Bildfeld-Verzerrung ist es bei Panorama-Aufnahmen notwendig, die Einzelbilder mit einer gewissen Überlappung aufzunehmen, sodass die stark verzerrten Randbereiche der Bilder im endgültigen Panorama nicht berücksichtigt werden müssen.
Die entzerrte Version des Originalbilds macht auch deutlich, warum sich diese Linse nicht unbedingt als Ersatz für andere Superweitwinkel-Objektive nutzen lässt: Die Entzerrung am Bildrand bewirkt eine dramatische Abnahme der Bildauflösung, wobei dort technisch bedingte Abbildungsfehler des Objektivs verstärkt sichtbar werden. Wie auch viele Superweitwinkel-Objektive haben Fisheye-Objektive am Bildrand häufig relativ gut sichtbare chromatische Aberrationen (rote oder blaue Farbsäume bei Hell-Dunkel Übergängen).
Ausschnitt aus dem vorigen Bild (linkes oberes Eck) in 100%iger Vergrößerung. Chro¬matische Aberrationen lassen sich zwar in gewissen Grenzen mit Bildbearbeitungspro¬grammen abmildern, aber nicht vollständig beseitigen. Die Chromatischen Aberrationen wurden bei diesem Bild bereits in Nikon Capture korrigiert.
Fazit
Das Nikkor AF DX 10,5mm/2,8 ist ein Objektiv für Spezialisten, das aber kompetent eingesetzt optisch sehr aufregende Bilder produzieren kann. Auf seine Finger und Fußspitzen sollte der Fotograf aber trotzdem Acht geben…
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