Die Nikon D3 im harten Sportalltag
Vor kurzem wurde uns die lang erwartete neue Nikon D3 geliefert, und wir waren gleich ganz ungeduldig, diese Kamera so »richtig hart« zu testen. Damit meinen wir nicht extreme Wetterbedingungen, sondern Situationen, die einen Fotografen und seine Ausrüstung hinsichtlich der Belichtung herausfordern.
Über die herausragenden Qualitäten der D3 wurde schon viel berichtet, insbesondere über ihre Fähigkeit, auch beim Fotografieren mit hohen ISO-Werten noch sehr rauscharme Bilder zu erzeugen. Aber wie sollen wir die Kamera genau testen? Da wir nicht zu den Leuten gehören, die gerne Testcharts fotografieren und dann die Ergebnisse bis auf letzte Pixel sezieren, haben wir beschlossen, sehr schwierige Fotosituationen in der Praxis zu suchen und die Kamera dort auf ihre wahren Qualitäten zu erproben.
Unsere Anforderungen an die »Aufgabe« waren wie folgt:- wenig Licht
- sich sehr schnell bewegende Objekte
- längere Brennweiten erforderlich (damit wird die Grenze für die längste Verschlusszeit fest vorgegeben)
- Nutzung von Stativen verboten bzw. unpraktisch
- wir fotografieren mit Sicherheitspuffer für Belichtung und Fokussierung, lassen die Kamera arbeiten und verzichten auf Tricks, mit denen man manchmal noch ein kleines bisschen mehr aus dem Bild »herauskitzeln« kann.
Nach einiger Suche haben wir uns die folgenden Situationen herausgesucht: Shorttrack-Eislauf (1. München Open im Olympia-Eisstadion/Trainingshalle), Karting (Garching bei München ) und Eishockey (München, Olympia-Eisstadion).
Folgend zeigen wir einige Bilder, die klar belegen, dass die Nikon D3 wirklich phänomenale Leistung abliefert.
Beginnen wir mit dem Shorttrack-Lauf. Zu dieser Veranstaltung haben wir außer der Kamera ein Nikon AF VR Zoom-Nikkor 80–400 mm 1:4,5–5,6D ED mitgenommen – das sich für diese Aufgabe als nicht ganz geeignet herausstellte, da es nicht über den schnellen AF-S-Antrieb vieler neuerer Nikon-Objektive verfügt. Die Lichtbedingungen waren mäßig – eine Mischung aus starkem Tageslicht, das von einer Seite kam und Reflektionen auf dem Eis verursachte, und schwachem Kunstlicht auf der anderen Seite. Belichtung: ISO 6400, 165mm, f/5.0, 1/1250 Sek. Die Rohdaten aus der Kamera wurden in Adobe Photoshop Lightroom in JPEG umgewandelt, wobei die von Lightroom als “default” vorgegebenen Einstellungen nicht geändert wurden. Nur bei den ersten beiden Bildern wurde das beim ersten Bild und bei dem 2. Auschnitts-Bild wurde das Rauschen etwas reduziert (Luminanz-Slider-Position um 25-30 in Lightroom).

Beim Kartrennen waren die Lichtbedingungen eigentlich sehr gut (sonnig), aber die Karts fuhren in einer Entfernung von 2 bis 5 Metern mit über 70 km/h an uns vorbei. Deswegen entschieden wir uns (mit dem Nikon AF-S Nikkor 300 mm 1:4D IF-ED) für ISO 3200, f/16 und 1/500 Sekunde – die kleine Blende deswegen, damit die Fahrzeuge zwischen der Fokussierung und der Auslösung des Verschlusses nicht aus der Schärfentiefe herausfahren. Parallel haben wir übrigens mit einer Canon EOS 5D mit dem Canon EF 70–200mm f/2.8L IS USM fotografiert – aber da diese Kamera »nur« drei Bilder pro Sekunde schafft, sind die Karts sehr oft aus dem Bereich der Schärfentiefe entkommen.

Zuletzt das Eishockeyspiel. Dies war eigentlich die schwierigste Situation: Die Spieler und der Puck bewegen sich sehr schnell und unhervorsehbar, man muss sie ständig mit dem Sucher verfolgen und ein- und auszoomen – aber die D3 hat auch hier sehr gute Arbeit geleistet. Fotografiert mit Nikon AF-S VR Zoom-Nikkor 70–200 mm 1:2,8G IF-ED. ISO 3200, 140mm, f/7,1, 1/500 Sek:

- Diese Kamera leistet bei hohen Empfindlichkeitseinstellungen wirklich Unglaubliches: ISO-Werte von 1600 bis 6400 sind nicht mehr nur »brauchbar« sondern können ohne nennenswerte Qualitätseinbußen ganz normal genutzt werden.
- Die Bildrate von 9 RAW-Aufnahmen pro Sekunde ist besonders für Sportfotografen ein Segen.
- Der Autofokus im Continuous-Modus funktioniert sehr gut, insbesondere bei Objekten, die regelmäßig derselben Spur folgen (wie beim Shorttrack). Beim Eishockeyspiel kam der AF-S manchmal durcheinander und fokussierte auf den »falschen« Spieler, aber bei den ständigen blitzschnellen Änderungen auf dem Eis sind solche Probleme nicht ganz zu vermeiden. In solchen Situation sollte man eher mittels eines vorausgewählten Messfelds scharfstellen.
(Die Nikon D3 ausprobieren? Hier geht’s lang …)