Sigma 150-500 mm F 5-6.3 DG OS APO HSM ist da!
Viele Interessenten, vielversprechend, verspätete Auslieferung. Endlich! Das neue Sigma 150-500 mm F 5-6.3 DG OS APO HSM ist da.
Was taugt dieses neue Objektiv? Dies ist eine durchaus aktuelle Frage, da die nach Brennweite vergleichbaren Objektive aus dem Haus Nikon entweder 6-mal so teuer (wie das Nikon AF-S VR Zoom-NIKKOR 200-400 mm 1:4 G IF-ED) oder schon etwas älter wie das Nikon AF VR Zoom-Nikkor 80-400 mm 1:4,5-5,6 D ED sind, und reichen darüber hinaus nicht bis zu 500mm. Das Sigma soll dagegen ein Supertele-Zoom sein, das in “echte Supertelebrennweiten” reicht und noch dazu zu einem “jedermann”-Preise – zurzeit so um 900€.
Wir haben die Linse vorgestern erhalten und wollten gleich ein paar Vergleichsbilder machen. Als Referenz blieb eigentlich nichts anderes übrig als das Nikon AF VR Zoom-Nikkor 80-400 mm 1:4,5-5,6 D ED zu nehmen, da Vergleiche mit teueren Zooms oder Festbrennweiten von Nikon einfach unfair wären.
Der erste Eindruck vom Objektiv ist ziemlich gut – die Bauweise ist solide, der Zoom- und Fokusring laufen geschmeidig. Das Objektiv verfügt über einen Bildstabilisator und einen Lock-Button, das den Zoomring auf die Brennweite auf 150mm fixieren kann. Der für Sigma typische Matt-Finish ist nicht meine Sache (wird schnell schmutzig und schwierig zu putzen), wirkt aber etwas edel. Der Stativfuß ist groß und solide.
Im Vergleich zum Nikon ist Sigma allerdings um 7,5cm (!) länger (bei minimal und maximal möglicher Brennweite, ohne Sonnenblende), und um knappe 600g schwerer. Also der Neuling ist schon ein ziemlich großer Klotz, größer als gewöhnliche Tele-Zooms (außer dem Nikon 200-400mm f/4 selbstverständlich). Auf jedem Fall, während herkömmliche Telezooms wie 70-200, 80-400 in einen Köcher LowePro 4 passen, ist das Sigma dafür zu groß.
Für einen kleinen Test wurde eine schöne alte Kirche in München ausgewählt. Alle Bilder sind JPEGs, die keinerlei bearbeitet wurden – RAW-Dateien wurden in Lightroom importiert, alle Sliders auf Null bzw. Neutral gesetzt, alle default Korrekturen von Lightroom auch auf Null gesetzt, und dann in JPEG exportiert. Alle Aufnahme vom Stativ, mit Spiegelvorauslösung und Selbstauslöser. Kamera – Nikon D3.
Motiv:

Wir verzichten hier auf viele Ausschnittsbilder (Sie können große JPEGs über die Links am Ende des Artikels unterladen) und zeigen nur zwei Ausschnittsvergleiche 200% aus der Mitte:
@ 150mm, offene Blende beide f/5, links nach rechts: Sigma 150-500 mm F 5-6.3 DG OS APO HSM, Nikon AF VR Zoom-Nikkor 80-400 mm 1:4,5-5,6 D ED. Nikons Leistung ist ein Tick besser.

@ 350mm, offene Blende, Sigma f/6, Nikon f/5,3, links nach rechts: Sigma 150-500 mm, Nikon AF VR 80-400 mm. Sigma ist deutlcih besser.

Diese Ausschnitte demonstrieren den Unterschied auf der konzeptionellen Ebene zwischen den beiden Objektiven. Das Nikon 80-400mm wurde als ein Allround-Telezoom konzipiert, das im Gegenteil zum Sigma ab 80mm anfängt und im unteren und mittleren Bereich (80-250mm) sehr ordentliche Qualität liefert. Es ist ein typisches Reiseobjektiv, mit dem man auch viele Nahaufnahmen machen kann. Es ist Farbentreu und Kontrastreich. Zwischen 300 und 400mm lässt allerdings die Leistung nach. Ich vermute, die Entwickler von Nikon haben diesen Bereich als Trade-off bewusst vernachlässigt, weil wenn jemand in diesem Bereich Spitzenqualität sucht (wie z.B. für Wildtierfotografie), dem sind die Brennweiten bis 200/300mm egal und der sollte andere / längere Optionen in Betracht ziehen. Sigma dagegen wurde konzeptionell auf Leistung bei längeren Brennweiten getrimmt: Es gibt zu viele Alternativen im Beriech bis 200/300mm; die Brennweite 150mm (=225mm mit APS-C) ist sowieso für Straßen/Reportage-Fotografie zu lang, also der Schwerpunkt liegt eigentlich auf günstigem Einstieg in Bereich bis 500mm. Die getesteten Brennweiten von 350mm und 400mm sind für das Sigma nicht das Maximum, wo Leistung normalerweise abfällt, daher zeigt sich das Sigma stärker als das Nikon. (Bei 500mm schneidet das neue Sigma übrigens schlechter als das Tamron SP AF 200-500 mm F/5-6,3 Di LD [IF], aber darüber schreibe ich später). Aus diesem Grund ist dieser Vergliech eigentlich nicht ganz korrekt, weil ich glaube, dass die Einsatzbereiche der beiden Objektiven nicht komplett überlappen.
Wo Sigma noch seine Stärken zeigt ist das Thema Chromatische Abberationen. Nicht das es abberationsfrei ist, aber die Artefakten sind im Vergleich zum Nikon deutlich geringer (obwohl ich die CA bei beiden leicht in Lightroom beseitigen konnte). Das Nikon liegt dagegen im Punkto Lichtstärke etwas vorne.
So was ist mein Fazit für das Sigma zurzeit: Ich glaube das Objektiv ist sein Geld definitiv wert. Es liefert gute Leistung bis 400mm und immer noch ordentliche zwischen 400mm und 500mm. Ich finde die Linse etwas zu groß und schwer, aber kann sein es liegt daran, dass ich keinen Fotorücksack sondern nur eine Fototasche habe :-).
Und mein Appell an Nikon: Sorry, obwohl das AF 80-400mm mit VR ein gutes Objektiv ist und wie gesagt einen anderen Zweckeinsatz hat, sein Upgrade ist überfällig.
Links zu Groß-JPEGs (konvertiert von RAW ohne jegliche Korrekturen):Sigma 150mm f5 , Sigma 150mm f11 , Sigma 200mm f5,3 , Sigma 200mm f11 , Sigma 300mm f/6 , Sigma 300mm f11, Sigma 400mm f6,3, Sigma 400mm f11 , Sigma 500mm f6,3 , Sigma 500mm f11 .
UPDATE
War heute im Tierpark mit dem Sigma, einige Fotos hier: Löwe (500mm 1/50, f/6,3, ISO 320, ohne OS/Bildstabilisator vom Stativ mit halb-aufgelokerten Kopf), Giraffe (500mm, 1/80, f/6,3, ISO 800), Bilder nur sehr leicht in Lightroom nachbearbeitet.

Links zu Groß-JPEGs : Löwe , Giraffe , Elefant
Fotos mit einer Canon EOS 40D, Canon EF 100-400 mm f/4.5-5.6 L IS USM folgen noch.
Comments
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Hallo Alex. Danke fuer diesen Bericht.Habe einige Anmerkungen dazu: 1. Der Vergleich des Sigma mit dem Ni 80-400 hinkt total.Das Ni 80-400 faehrt bei groessere Brennweite den Tubus aus und die Ausbalanziertheit auf dem Stativ ist dahin. 2.Das Ni 80-400 hat nur einen mech.AF-Antrieb von der Kamera aus. Beim Sigma gibt es HSM. 3. Der Tripod-collar beim Ni 80-400 ist eine echte Ni-Fehlleistung. Beim Sigma ist ein solider Tripod-collar realisiert. 4. Unbearbeitete Bilder mit identischem Motiv in JPEG fine mit identischer kamera + Kameraeinstellungen (D80) zeigen auf/an einem kalibrierten 19" Monitor ohne vergroesserte Wiedergabe klare Unterschiede in der Faehigkeit der Detailwiedergabe. Klarer Sieger ist hier das Sigma 100-300mm/F 4 gefolgt vom Sigma 150-500/F5-6.3 und als Schlusslicht das Ni 80-400! 5.Transportbehaelter fuer Objektive sind frei diskutierbar jedoch vermeide ich jeden Objektiv- wechsel bei Aussenaufnahmen und so sind die Telezooms (ich besitze alle drei) im Lowepro-Rolling Compu Trekker Plus AW mit D80-Gehaeusen bestueckt. Das macht sind und sorgt fuer richtigen work flow.Ich bin halt ein "fauler Hund" und so ziehe ich den Trekker hinter mir her. Viele Gruesse, Ulli aus dem heissen Shenyang/China
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Hallo Alex, danke für den Bericht! Allerdings wäre ich glücklich darüber gewesen ein wenig über die Geschwindigkeit des Sigma zu lesen. Ein Test an der Nikon wäre eigentlich auch interessanter gewesen. Mir fehlt auch die genaue Angabe womit und wie die RAWs konvertiert wurden. Danke aber für den Test!!! Viele Grüße Kai
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Hallo Hear, a) GEschwindigkeit: Das Sigma ist deutlich schneller als das Nikon 80-400mm, da das Sigma über einen HSM (Hyper-Sonic-Motor)-Antrieb für AF verfügt, während das ältere Nikon nur ein AF und nicht AF-S-Objektiv ist. Es gibt schnellere Objektive als dieses Sigma, aber es ist schon ziemlich schnell. b) Dieser Test wurde doch mit einer Nikon D3 durchgeführt. c) Die RAW-Dateien wurden un JPEGS mittels Adobe Lightroom durchgeführt, und alle EInstellungen, die Lightroom als default einstellt, rausgenommen, d.h. alle Sliders auf bzw. Neutral gesetzt. Keine Nachschärfung.